RoHS 4 ist eine geplante Erweiterung der EU-Richtlinie RoHS. Sie fügt der Liste der Beschränkungen zwei neue Stoffe hinzu: MCCP und TBBPA. Im Gegensatz zu RoHS 3, das seit 2019 zehn Stoffe umfasst (darunter vier Phthalate), erhöht RoHS 4 deren Anzahl auf zwölf.
Ziel der Änderungen ist der weitere Schutz der Gesundheit der Nutzer und der Umwelt. Die Verwendung von chemischen Verbindungen wird eingeschränkt, die toxisch, bioakkumulativ oder im Recycling schwer zu kontrollieren sein können.
RoHS 3 – Erweiterung der Liste um Phthalate
Seit 2019 gilt die Richtlinie RoHS 3. Sie hat vier neue chemische Stoffe in die gesetzlich geregelte Liste aufgenommen: die Phthalate DEHP, BBP, DBP und DIBP. Dadurch ist der Katalog von sechs auf zehn Positionen angewachsen.
Neben Elementen wie Blei, Cadmium, Quecksilber oder sechswertigem Chrom sowie bromierten Verbindungen PBB und PBDE mussten Hersteller auch Weichmacher kontrollieren. Phthalate werden nämlich häufig in PVC, Spielzeug und Alltagsprodukten verwendet.
RoHS 4 – weitere Stoffe unter Beobachtung
Der nächste Entwicklungsschritt der Vorschriften ist RoHS 4. Es umfasst zwei zusätzliche Stoffe: MCCP und TBBPA. Die Empfehlung zur Einschränkung wurde vom Öko-Institut nach der Analyse von sieben chemischen Verbindungen im Jahr 2021 ausgesprochen.
- MCCP (Medium Chain Chlorinated Paraffins) sind chlorierte Paraffine mit mittlerer Kettenlänge. Sie werden hauptsächlich als Weichmacher in PVC und als Flammschutzmittel eingesetzt. Problematisch sind ihre Toxizität für aquatische Umwelt, ihre Bioakkumulation sowie das Risiko für Arbeitnehmer im Recyclingprozess.
- TBBPA (Tetrabromobisphenol A) ist eine bromierte organische Verbindung, die in Leiterplatten und als Flammschutzmittel in ABS verwendet wird. In Epoxidharzen bildet sie stabile Bindungen mit dem Polymer, kann jedoch als Zusatzstoff in die Umwelt freigesetzt werden.
In beiden Fällen wurde ein Grenzwert von 0,1 % im homogenen Material vorgeschlagen.
Unterschied zwischen RoHS 3 und RoHS 4
- RoHS 3 umfasst 10 Stoffe, indem vier Phthalate zur vorherigen Liste hinzugefügt wurden.
- RoHS 4 erweitert die Vorschriften um zwei weitere Stoffe: MCCP und TBBPA.
Insgesamt ergibt dies bereits 12 Stoffe, deren Gehalt in Produkten kontrolliert werden muss. Der Unterschied liegt also nicht in einer Änderung des Wirkmechanismus der Richtlinie, sondern in einer weiteren Erweiterung der Liste verbotener oder eingeschränkter Materialien.
Was bedeutet das für Hersteller?
Die neuen Vorschriften erfordern eine noch genauere Kontrolle von Materialien und Komponenten. Der Hersteller kann sich nicht ausschließlich auf Lieferantenerklärungen verlassen, sondern sollte über Prüfungen verfügen, die die Konformität der Produkte bestätigen.
In der Praxis bedeutet dies die Notwendigkeit:
- Durchführung von Screening- und detaillierten Probenanalysen,
- Aktualisierung der technischen Dokumentation,
- Erstellung zuverlässiger Konformitätserklärungen,
- Überprüfung der Lieferkette, insbesondere bei Kabeln, PVC, Leiterplatten und ABS-Kunststoffen.
Wie unterstützt RCC?
Im Forschungs- und Entwicklungszentrum RCC führen wir den gesamten Umfang der durch die RoHS-Richtlinie geforderten Prüfungen durch. Wir bieten Screening-Analysen mittels XRF sowie detaillierte Bestimmungen, unter anderem für sechswertiges Chrom, PBB und PBDE.
Mit der Erweiterung der Stoffliste um MCCP und TBBPA bietet unser Labor Herstellern umfassende Unterstützung – von Prüfungen über die Interpretation der Ergebnisse bis hin zur Erstellung der Dokumentation.
Dank dessen haben unsere Kunden die Sicherheit, dass ihre Produkte den Anforderungen des EU-Rechts entsprechen und gleichzeitig für Nutzer und Umwelt sicher sind.